Gut zwei Drittel aller Change Management Projekte sind wenig oder gar nicht erfolgreich. Selbst das geplante Kommunikationsmanagement funktioniert bei nahezu jedem zweiten Veränderungsprojekt nicht. Ursachenforschung betreibt eine Studie der Universität Hohenheim, die auch Methoden zur Abhilfe nennt.
Die Zahlen alarmieren, wenn man bedenkt, dass sich 80 bis 90 Prozent der Unternehmen alle 2 bis 3 Jahre mit Changeprojekten befassen bzw. befassen müssen. Doch Change ist nicht gleich Change: Mitarbeiter und Führungskräfte haben ihren ganz eigenen Bezug zu den Veränderungsprozessen, die den Arbeitsalltag der Unternehmen prägen. So haben sich im Rahmen der Befragung insbesondere bei häufig anstehenden Veränderungen unterschiedliche Typen von "Change" ergeben. Von der fast regelmäßigen Einführung technischer Innovationen bis zur selteneren Bewältigung von Krisensituationen sahen sich viele der Befragten mindestens einmal im Jahr mit einer ganzen Palette typischer Change-Themen konfrontiert. Deren Kommunikation maßen sie dabei deutlich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bei.
Die Kommunikation übt einen bekannt zentralen Einfluss bei der Gestaltung aller Veränderungen in Unternehmen aus. Die der Studie zufolge wichtigsten drei Erfolgsfaktoren für die Change Communication sind - nach den Ergebnissen der Umfrage unter den Kommunikationschefs der Top 250 Unternehmen - ein strategisches Konzept, eine klare Stakeholder-Orientierung und organisatorische Bedingungen, die Kooperation und schnelle Informationsflüsse begünstigen.
Fast 63% der Firmen wiesen auf die Notwendigkeit einer langfristigen Strategie hin. Die Formulierung einer konsistenten, nachvollziehbaren Change-Story wurde dabei als ebenso wichtig angesehen wie ein fokussiertes Themenmanagement. Soweit die Theorie. Denn zu selten, so räumten die Kommunikations-Chefs selbstkritisch ein, würden im Alltag klare Kommunikationsstrategien aufgestellt. Zu oft überraschten stattdessen Geschäftsführungen ihre Kommunikationsfachleute mit widersprüchlichen Entscheidungen. Sprunghafte Themenplanung ohne "one-voice-policy", Schuldzuweisungen sowie Fehler beim Timing, die Gerüchten den Boden bereiten, wirkten sich dann verheerend auf das Kommunikationsklima aus.
Die zielgruppengerechte Kommunikation gaben mehr als die Hälfte (51,8%) der Unternehmen als Grund für erfolgreich verlaufene Change-Projekte an. Gemeint ist das, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein könnte: Ein kontinuierlicher Informationsprozess, der alle Mitarbeiter einbezieht und insbesondere auch auf deren emotionale Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Die ausdrückliche und persönliche Kommunikation durch Führungskräfte und das Engagement des Top-Managements betonten zahlreiche Unternehmen als ausschlaggebenden Impuls für den Erfolg. Diesem Ansatz gegenüber steht eine gelebte Managementkultur, die Mitarbeiter als Objekte behandelt - in der jeder Wandel auf Widerstände stoßen muss.
Marketing gegen PR, Personalbüro oder/und Investor Relations? Jedes dritte Unternehmen (34,9%) wies auf die organisatorischen Abläufe, Verantwortlichkeiten und Zusammenarbeit zwischen diesen Unternehmensbereichen als Schlüsselfaktor hin. Abstimmung und Informationsfluss zwischen den Abteilungen sahen sie als entscheidend für den Erfolg an. Gleiches gilt für die frühzeitige Einbindung der Kommunikationsverantwortlichen in die Planungsprozesse des Top-Managements. Durchgängig positiv beurteilt wurde das Agieren von speziellen Projektteams, um die Kräfte im Change Management zu bündeln und zu koordinieren.