Zwei aktuelle Studien belegen, dass das Potenzial des Internets längst noch nicht ausgereizt ist. Zum einen ist das die Studie "Kunde 2.0" von Booz Allen Hamilton, zum anderen "Web 2.0: Passive und aktive Nutzung von User Generated Content" von TNS Infratest.
In "Kunde 2.0" wurden 1.000 Endkunden in Deutschland und in den USA zu ihrem Konsumverhalten befragt. Ein Teil der Untersuchung befasste sich mit den Präferenzen bezüglich der Kanäle, die zur Produktinformation genutzt werden. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die klassische Werbung dramatisch an Boden verloren hat. "Above-the-line"-Maßnahmen etwa in TV oder Printmagazinen beeinflussen nur noch zu weniger als 5% Kaufentscheidungen. Damit droht den traditionellen Medien der komplette Verlust ihrer Mittlerrolle für Produkte zwischen Konsumenten und Konsumgüterherstellern oder Dienstleistern. In der Zwischenzeit hat eine Verlagerung der Entscheidung zum Kauf stattgefunden, hin zum "Point of Sale" oder durch Empfehlungen von Freunden und Bekannten sowie Produktempfehlungen aus Testberichten. Insgesamt 80% der Verbraucher sind so beeinflussbar. Viel interessanter allerdings ist, dass bereits 10% der Konsumenten angab, das Internet als Informationsquelle zu nutzen, um die Entscheidung für ein Produkt zu treffen. Damit beeinflusst dieser Kommunikationskanal die Kaufentscheidung mehr als doppelt so stark wie klassische Werbung.
Nur: Wie nutzen Verbraucher das Internet? Dies zeigt die Studie "Web 2.0". Sie befasste sich mit der aktiven und passiven Nutzung von "User Generated Content". Also ob die Internet-User zu so genannten "Prosumenten" werden, die Inhalte aktiv ins Netz hochladen, gestalten oder verändern?
Die Voraussetzung, um das Web 2.0-Angebot überhaupt nutzen zu können, ist ein Breitbandzugang. Erst dann werden Videoplattformen oder Podcasting attraktiv. Knapp die Hälfte (30,4 Mio.) der über 14-Jährigen besitzt derzeit bundesweit einen solchen Anschluss. Aber nur neun Prozent (5,7 Mio.) davon gestalten, verändern oder laden Inhalte aktiv hoch und werden deshalb zu den "Prosumenten" gerechnet. Gut 28 Prozent (18,1 Mio.) nutzen die Angebote ausschließlich passiv, zehn Prozent (6,6 Mio.) gar nicht. 15 Prozent (9,9 Mio.) verfügt über keinen Breitbandzugang und der verbleibende Anteil der Bevölkerung, 37 Prozent (24,2 Mio), gar keinen Internetanschluss.
Das Ergebnis der Studie besagt, dass die Mehrheit der Internetnutzer (noch) nicht zu Prosumenten geworden ist, sondern das Angebot lediglich passiv nutzen, eben wie klassische Medien. Dabei überrascht es kaum, dass der Anteil der Prosumenten stark mit dem Alter zusammenhängt: Je jünger, desto aktiver gehen die Internetnutzer mit dem Web 2.0-Angebot wie Webblogs, Podcasts, digitalen Foto- und Videoplattformen beziehungsweise Ändern von Wiki-Einträgen um.
Fasst man die Nutzerzahlen des Internets beider Studien zusammen, wird erkenntlich, dass das Nutzerpotential des Internets noch steigerungsfähig ist. Betrachtet man, wie sich das World Wide Web bislang entwickelt hat, wird es in Zukunft weitere Neuerungen bzgl. der Plattformen zur Kommunikation liefern. Zudem darf dabei auch nicht vergessen werden, dass das Internet für kommende Generationen einen noch größeren alltäglichen Gebrauchscharakter erhalten wird und sich der spielerische Umgang mit ihm noch verstärken wird.